Anzeige
in Kooperation mit
ERP Software Onlinehandel

JTL-Alternativen 2026: 5 Warenwirtschaftssysteme für Onlinehändler im Vergleich

hero
Verantwortlich für den Inhalt dieser Anzeige Crafins Studio (Mehr Infos)
Montag, 14. September 2026 13:25
JTL-Wawi ist im deutschen Onlinehandel weit verbreitet, kostet im Einstieg nichts und deckt vom Artikel bis zur Rechnung fast alles ab. Wer trotzdem über einen Wechsel nachdenkt, tut das meist aus einem Grund: Die Software läuft als Windows-Anwendung auf einem eigenen Server mit SQL-Datenbank. Betrieb, Updates, Backups und Störungen bleiben damit im Haus und binden entweder eigene IT-Ressourcen oder einen bezahlten Dienstleister. Aus Sicht der Redaktion bleibt beim Wechsel zu PlentyONE am wenigsten offen, weil Warenwirtschaft, Lager, Kasse und ein eigener Onlineshop aus einem System kommen, das in der Cloud läuft. Wer eine eigene Buchhaltung braucht oder regelmäßig über Ländergrenzen verkauft, findet weiter unten passendere Antworten.

Warum ein Wechsel von JTL mehr ist als ein Softwaretausch

Wer JTL einsetzt, nutzt selten nur ein Produkt. Üblich ist eine Kombination aus JTL-Wawi als Warenwirtschaft, JTL-Shop als eigenem Onlineshop und JTL-WMS für das Lager, im stationären Handel dazu JTL-POS als Kasse. Ein Wechsel bedeutet deshalb nicht, ein Programm gegen ein anderes zu tauschen, sondern drei oder vier Bausteine gleichzeitig zu ersetzen. Genau daran scheitern die meisten Vergleiche: Sie stellen Warenwirtschaften nebeneinander und übersehen, dass der Händler danach womöglich noch ein Shopsystem und eine Kasse dazukaufen muss.

Dieser Vergleich stellt deshalb eine andere Frage in den Mittelpunkt: Was bleibt nach dem Wechsel offen? Die Antwort fällt je System sehr unterschiedlich aus. Xentral und weclapp bringen kein eigenes Shopsystem mit, ein JTL-Shop muss also getrennt ersetzt und danach parallel betrieben werden. Bei Odoo sind alle Bausteine vorhanden, der Weg zu den gängigen deutschen Marktplätzen führt aber über den teureren Tarif und den Betrieb auf eigener Infrastruktur. Bei Afterbuy nimmt die Kassen-App keine Neukunden mehr an, eine eigene Buchhaltung gibt es nicht. Bei PlentyONE bleibt vor allem die Buchhaltung offen, die wie bei JTL vorbereitend arbeitet.

Der zweite Punkt ist der Betrieb. JTL-Wawi setzt Windows 11 und einen Microsoft SQL Server voraus, einen Client für macOS oder Linux gibt es nicht, und eine reine Browserlösung ist es ebenfalls nicht. Wer wechselt, sollte deshalb zuerst klären, ob das neue System in der Cloud laufen soll. Nativ angebunden sind laut JTLs eigener Tarifübersicht 27 Marktplätze und fünf Shopsysteme, zusammen 32 Verkaufskanäle, von denen 30 bereits in der kostenlosen Edition zur Verfügung stehen. Eine Finanzbuchhaltung bringt JTL nicht mit; die Buchungsdaten gehen über eine Schnittstelle an den Steuerberater.

Schnellvergleich

#

System

Betriebsmodell

Deckt vom JTL-Aufbau ab

Verkaufskanäle nativ*

Buchhaltung

Einstiegspreis

Ideal für

JTL (Ausgangssystem)

Eigener Windows-Server

Wawi, Shop, Lager, Kasse

32

vorbereitend, Übergabe an den Steuerberater

kostenlos

Referenz für den Vergleich

1

PlentyONE (Empfehlung der Redaktion)

Cloud

Wawi, Shop, Lager, Kasse

34

vorbereitend, DATEV-Export

59 €/Mo.

Umstieg ohne Zweitsystem

2

Xentral

Cloud

Wawi, Lager, Kasse

12

vorbereitend, DATEV-Übermittlung

99 €/Mo.**

Verkauf über Ländergrenzen

3

weclapp

Cloud

Wawi, Lager, Kasse

9

eigene Buchhaltung

39 €/Nutzer/Mo.***

Handel plus Dienstleistung

4

Odoo

Cloud oder eigener Server

Wawi, Shop, Lager, Kasse

5 (plus kostenpflichtige Module)

eigene, nur in Enterprise

19,90 €/Nutzer/Mo.

Individuelle Prozesse

5

Afterbuy

Cloud

Wawi, Shop, Lager

9

vorbereitend, DATEV über Drittprodukt

23 €/Mo. + Transaktion

Schlanker Marktplatzverkauf

1. PlentyONE (Empfehlung der Redaktion)

plentyone_atf
Gegründet 2006 Kassel, Deutschland · Wawi, Shop, Lager und Kasse aus einem System · Cloud kein eigener Server · ab 59 €/Monat 30 Tage testbar

PlentyONE ist die naheliegendste Antwort für Händler, die ihren kompletten JTL-Aufbau ablösen wollen. Warenwirtschaft, Lagerverwaltung, Kassensystem und ein eigener Onlineshop stammen aus einer Hand, sodass für jeden Baustein eine Entsprechung bereitsteht und nach dem Wechsel kein zweites System danebenläuft. Das Kassensystem steht ab der Edition Expand zur Verfügung.

Die Lagerverwaltung ist dabei kein Anhängsel. PlentyONE verwaltet mehrere Lager und einzelne Lagerplätze, führt durch Kommissionierung und Wareneingang und bringt eine mobile App für die Arbeit mit dem Scanner mit. Für einen Händler, der von JTL-WMS kommt, ist das der Baustein, an dem sich ein Umstieg im Alltag entscheidet.

Der zweite Unterschied ist der Betrieb. PlentyONE läuft in der Cloud, es entfällt also der eigene Server samt Datenbank, Updates und Sicherung. Umsonst ist der Wechsel trotzdem nicht: Ein System dieses Umfangs ist anspruchsvoll in der Einführung, die über Wochen interne Zeit bindet, und Nutzerbewertungen beschreiben übereinstimmend eine spürbare Einarbeitung. Der Support läuft über ein Ticketsystem und ist der am häufigsten genannte Kritikpunkt.

Bei den Kanälen bindet PlentyONE 34 Marktplätze und Shopsysteme selbst an, das Verzeichnis führt insgesamt 80. Gepflegt werden sie zentral vom Anbieter, was den Unterschied zu Anbindungen ausmacht, die über einzelne Partner laufen. Die Preise beginnen bei 59 € im Monat, wobei die Einstiegsedition fünf Kanäle gleichzeitig erlaubt und die Zahl mit der Edition steigt. Oberhalb eines gebuchten Umsatzvolumens kommt ein prozentualer Anteil hinzu, dessen Höhe individuell vereinbart und nicht veröffentlicht wird. Die Buchhaltung bleibt wie bei JTL vorbereitend: Belege und Steuerdaten entstehen GoBD-konform im System, die eigentliche Buchführung übernimmt der Steuerberater über einen DATEV-Export.

Stärken
  • Deckt Warenwirtschaft, Shop, Lager und Kasse ab, ohne dass ein zweites System nötig wird
  • Cloud-Betrieb: kein eigener Server, keine Datenbankpflege, kein Windows-Zwang
  • 34 selbst gepflegte Verkaufskanäle, die größte Auswahl unter den Alternativen
Schwächen
  • Umfangreiches System, die Einführung ist ein Projekt und bindet Wochen interne Zeit
  • Support läuft über Tickets, die Reaktionszeiten sind der häufigste Kritikpunkt
  • Keine eigene Buchführung, und der umsatzabhängige Anteil ist nicht öffentlich kalkulierbar

Ideal für: Händler, die den gesamten JTL-Aufbau in einem Schritt ablösen und den Serverbetrieb loswerden wollen. Wer bereit ist, einmal in eine saubere Einführung zu investieren, bekommt danach das geschlossenste System in diesem Vergleich.

2. Xentral: die Cloud-Warenwirtschaft für den Verkauf über Ländergrenzen

xentral_atf
Augsburg, Deutschland · 12 Kanäle nativ · Kein eigenes Shopsystem · ab 99 €/Monat 24 Monate Laufzeit

Xentral kommt JTL funktional am nächsten und läuft dabei in der Cloud. Warenwirtschaft, Auftragsabwicklung und eine ernstzunehmende Lagerverwaltung sind vorhanden, ein Kassensystem gibt es als Zusatzmodul für 49 € je Kasse und Monat. Was Xentral nicht hat, ist ein eigenes Shopsystem: Wer JTL-Shop einsetzt, muss den Shop separat auf Shopify oder Shopware umziehen und danach zwei Systeme betreiben.

Seine größte Stärke spielt Xentral beim Verkauf über Ländergrenzen hinweg aus. Das System setzt Steuersätze je Land und je Artikel, stellt beim Erreichen der Zehntausend-Euro-Schwelle automatisch auf das Bestimmungsland um und dokumentiert die Umsätze für das europäische Meldeverfahren. Für Händler, die aus Deutschland regelmäßig in mehrere EU-Länder liefern, ist das im Alltag ein tragfähiger Mechanismus. Der Anbieter benennt die Grenzen selbst: örtliche Steueranmeldungen und komplexere Lagerkonstellationen im europäischen Ausland deckt das Modul nicht ab, und es setzt die Edition Business voraus.

Die zweite Stärke liegt im Lager. Xentral verwaltet feste Lagerplätze, führt mehrstufige Kommissionierung mit Scan-Kontrolle, bringt eine mobile App für Kommissionierung und Inventur mit und kennt Chargen, Seriennummern und Mindesthaltbarkeit. Beides, Lagertiefe und Steuerlogik, steht allerdings erst ab der Edition Business zur Verfügung. Die Buchhaltung arbeitet wie bei JTL vorbereitend: Rechnungen, Zahlungsabgleich und die Übermittlung an DATEV laufen im System, das eigentliche Buchen nicht.

Beim Preis lohnt der genaue Blick. Der Einstieg liegt bei 99 € im Monat, dazu kommen eine einmalige Einrichtungsgebühr von 1.990 € und eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten; das Kontingent dieser Edition umfasst 1.200 Aufträge im Jahr, darüber hinaus werden 0,30 € je Auftrag berechnet. Nativ angebunden sind 12 Kanäle. Eine größere Reichweite entsteht über Vermittlungsdienste wie Mirakl oder Tradebyte, für die Händler jeweils einen eigenen Vertrag brauchen.

Stärken
  • Sehr stark bei Steuersätzen und Lieferschwellen im EU-Verkauf, inklusive automatischer Umstellung
  • Tiefe Lagerverwaltung mit Lagerplätzen, mobiler Kommissionierung, Chargen und Seriennummern
  • Cloud-Betrieb, damit entfällt der eigene Server
Schwächen
  • Kein eigenes Shopsystem, ein JTL-Shop muss separat ersetzt werden
  • Lagertiefe und Steuerlogik erst ab der Edition Business, nicht im Einstiegstarif
  • 24 Monate Mindestlaufzeit und 1.990 € Einrichtungsgebühr schon beim Einstieg

Ideal für: Händler mit funktionierendem Shopsystem, die in mehrere EU-Länder verkaufen und für die die korrekte Umsatzsteuer über Ländergrenzen hinweg wichtiger ist als die Zahl der Marktplätze.

3. weclapp: der Allrounder für Handel und Dienstleistung

weclapp_atf
Kitzingen, Deutschland · Eigene Buchhaltung in jedem Tarif · 9 Verkaufskanäle · ab 39 €/Nutzer/Monat

weclapp hat das breiteste Kernangebot in diesem Vergleich. Neben Warenwirtschaft, Lager und Auftragsabwicklung deckt das System auch Fertigung mit Stücklisten und Produktionsaufträgen sowie Projektgeschäft mit Zeiterfassung und Projektabrechnung ab. Das ist mehr, als eine reine Handelssoftware mitbringt. Es erklärt auch die Zuschnitte der Tarife, die nicht zufällig ERP Starter, ERP Dienstleistung und ERP Handel heißen. weclapp sitzt in Kitzingen, gehört seit 2022 zur niederländischen Exact-Gruppe und wurde mehrfach als ERP-System des Jahres ausgezeichnet.

Die zweite Besonderheit ist die Buchhaltung. Sie läuft vollständig im System, mit den gängigen deutschen Kontenrahmen, Umsatzsteuervoranmeldung, offenen Posten und Zahlungsabgleich. Sie steckt nicht in einem teuren Zusatzmodul, sondern ist in jedem Tarif ab 39 € je Nutzer und Monat enthalten. Der Zugang für den Steuerberater kostet nichts. Damit schließt weclapp genau die Lücke, die JTL offen lässt. Ein Kassensystem gibt es für 55 € je Nutzer und Monat obendrauf.

Für einen typischen JTL-Umsteiger liegt der Haken bei den Kanälen. weclapp bindet neun Verkaufskanäle an, davon vier Marktplätze: Amazon, eBay, Kaufland und OTTO Market. Damit endet die Liste, alles Weitere läuft über kostenpflichtige Zusatzanbindungen. Für den Marktplatzverkauf ist das eine der schmalsten Auswahlen in diesem Vergleich. Marktplätze setzen zudem das teuerste der drei Pakete voraus, 163 € je Nutzer und Monat; die reine Shopanbindung genügt ab 86 €. Zu beachten ist außerdem, dass der Einstiegstarif keine Schnittstelle nach außen mitbringt: Wer mit 39 € startet, kann noch nichts anbinden. Ein eigenes Shopsystem bringt weclapp nicht mit.

Stärken
  • Breitester Funktionskern: Warenwirtschaft, Lager, Fertigung und Projektgeschäft in einem System
  • Vollständige Buchhaltung in jedem Tarif, kostenloser Zugang für den Steuerberater
  • Mehrfach als ERP-System des Jahres ausgezeichnet, seit 2022 Teil der Exact-Gruppe
Schwächen
  • Neun Verkaufskanäle und nur vier Marktplätze, Marktplatzverkauf erst im teuersten Paket
  • Kein eigenes Shopsystem, ein JTL-Shop muss separat ersetzt werden
  • Keine Schnittstelle im Einstiegstarif, und die Abrechnung je Nutzer verteuert wachsende Teams
  • Wiederkehrende Kritik an Ladezeiten und am Preis-Leistungs-Verhältnis

Ideal für: Unternehmen mit gemischtem Geschäft aus Handel, Dienstleistung und Projekten, die wenige Marktplätze bedienen und die Buchhaltung im selben System führen wollen.

4. Odoo: der Baukasten für individuelle Prozesse

odoo_atf
Open Source Belgien · Cloud oder eigener Server · Eigene Buchhaltung nur in Enterprise · ab 19,90 €/Nutzer/Monat

Odoo ist auf dem Papier die vollständigste Alternative. Warenwirtschaft, Lager, Kasse, Buchhaltung und ein Shop-Modul stammen aus einer Hand. Über einen großen App-Katalog lässt sich fast jeder Prozess nachbauen. Die Lagerverwaltung ist besser als ihr Ruf, mit mehreren Lagern, Lagerplätzen und mehrstufiger Kommissionierung bereits in der kostenlosen Community-Edition. Auch die Buchhaltung ist vollwertig, mit den gängigen deutschen Kontenrahmen und zwei eigenen DATEV-Exporten.

Der entscheidende Punkt steht allerdings im Kleingedruckten der Tarife. Der günstige Standard-Tarif läuft ausschließlich auf Odoos eigener Cloud. Dort sind Module von Drittanbietern laut Odoos eigener Dokumentation ausgeschlossen. Genau diese Module sind aber die einzige Quelle für Anbindungen an Otto, Kaufland, Shopware oder DHL Paket. Wer sie braucht, muss auf den teureren Custom-Tarif wechseln und die Software auf eigener Infrastruktur betreiben. Damit landet ein Händler, der JTL wegen des eigenen Servers verlässt, genau dort wieder: Betrieb, Updates und Sicherheit eines umfangreichen Systems liegen wieder im eigenen Haus, nur dass das System größer ist als zuvor.

Dazu kommt die Marktplatzseite. Nativ bindet Odoo Amazon mit seinen Länder-Marktplätzen an, außerdem TikTok Shop, Shopee und Lazada. Für den deutschen Handel bleiben davon in der Praxis Amazon und TikTok Shop und die native eBay-Anbindung wurde mit Version 18 entfernt. Das Shop-Modul ist lauffähig, im deutschen Onlinehandel aber kaum verbreitet, und die deutschen Standardversender DHL Paket, DPD und GLS sind nicht nativ angebunden. Nativ ist von DHL nur Express. Die Lizenz beginnt bei 19,90 € je Nutzer und Monat als Einführungspreis für zwölf Monate, danach 24,90 €. Buchhaltung, mobile Lager-App und die für deutsche Kassen nötige Technik gehören zur kostenpflichtigen Enterprise-Version.

Stärken
  • Als einziges System frei erweiterbar: eigenes Shop-Modul und ein großer App-Katalog für individuelle Prozesse
  • Vollwertige Buchhaltung mit zwei eigenen DATEV-Exporten
  • Tiefe Lagerverwaltung bereits in der kostenlosen Community-Edition
Schwächen
  • Marktplatz-Anbindungen erzwingen den teureren Tarif und den Betrieb auf eigener Infrastruktur
  • Betrieb, Updates und Sicherheit liegen dann wieder im eigenen Haus, wie zuvor bei JTL
  • Für den deutschen Handel nativ nur Amazon und TikTok Shop, keine native eBay-Anbindung mehr

Ideal für: Unternehmen mit eigenen Entwicklerressourcen oder festem Partner, die individuelle Prozesse abbilden wollen und den Betrieb der Software bewusst im Haus behalten.

5. Afterbuy: die schlanke Lösung für den Marktplatzverkauf

afterbuy_atf
Krefeld, Deutschland · 9 Kanäle nativ · Eigener Shop vorhanden · ab 23 €/Monat plus Transaktionsgebühr

Afterbuy ist der günstigste und einfachste Weg aus JTL heraus. Das System deckt den Marktplatz-Alltag vollständig ab: Auftragsabwicklung, Versand, Retouren, Zahlungsabgleich sowie Nachbestellung mit Lieferantenverwaltung und Mindestmengen. Dazu kommen ein Lager mit festen Lagerplätzen, Scanner-Unterstützung und Inventur sowie ein eigener Onlineshop mit eigenen Tarifen. Für Händler, deren Alltag aus Marktplatzbestellungen und Versand besteht, liegt das nah an dem, was sie in JTL tatsächlich nutzen.

Einfachheit hat allerdings ihren Preis, und der zeigt sich beim Funktionsumfang. Eine Fertigung gibt es nicht, eine eigene Buchhaltung ebenfalls nicht. B2B-Preislogik mit Kundengruppen oder Staffelpreisen ist nicht dokumentiert. Das Lager ist auf einen Standort ausgelegt; ein Betrieb mit mehreren Lagern lässt sich in der Dokumentation nicht nachweisen. Diese spricht durchgehend von einem Lager. Wer aus JTL mit mehreren Lagerorten kommt, sollte das vorab klären.

Die zweite Einschränkung betrifft den stationären Handel. Die Kassen-App nimmt laut Anbieter keine Neukunden mehr an und steht nur Bestandsnutzern weiterhin zur Verfügung, was sie für einen Umsteiger von JTL-POS ausschließt. Bei den Kanälen bindet Afterbuy neun Kanäle selbst an, darunter Amazon, eBay, Kaufland, OTTO, Hood.de und Ricardo. Die verbreitete Annahme, Afterbuy decke die deutschen Nischenmarktplätze besonders breit ab, trifft nicht zu: Kleinanzeigen, ManoMano, Markt.de, Quoka, Shpock und Willhaben laufen laut Anbieter nicht über eine eigene Anbindung, sondern über Partnerunternehmen. Abgerechnet wird mit einer Grundgebühr ab 23 € im Monat und 0,10 bis 0,25 € je abgewickelter Bestellung, wobei die Anbindungen an OTTO, Kaufland und Shopify je 36 € im Monat zusätzlich kosten.

Stärken
  • Deckt den Marktplatz-Alltag vollständig ab, von der Bestellung über Versand und Retouren bis zur Nachbestellung
  • Günstigster und einfachster Einstieg, ohne Einführungsprojekt
  • Eigener Onlineshop und ein Lager mit Lagerplätzen, Scanner und Inventur
Schwächen
  • Betrieb mit mehreren Lagern ist nicht dokumentiert, die Beschreibung geht durchgehend von einem Lager aus
  • Keine eigene Buchhaltung, die Übergabe an DATEV läuft über ein kostenpflichtiges Produkt eines Drittanbieters
  • Die Kassen-App nimmt keine Neukunden mehr an, damit fällt der stationäre Verkauf weg
  • Keine Fertigung und keine dokumentierte B2B-Preislogik

Ideal für: Kleinere Händler, die vor allem über die großen Marktplätze verkaufen, mit einem Lagerstandort auskommen und eine einfache Lösung ohne Einführungsprojekt suchen.

Häufig gestellte Fragen

1. Was sind die besten Alternativen zu JTL-Wawi?

Aus Sicht der Redaktion bleibt bei PlentyONE am wenigsten offen, weil Warenwirtschaft, Shop, Lager und Kasse aus einem System kommen, das in der Cloud läuft. Xentral ist eine starke Wahl beim Verkauf über Ländergrenzen, weclapp für Unternehmen mit gemischtem Geschäft und eigener Buchhaltung, Odoo für Betriebe mit Entwicklerressourcen und individuellen Prozessen, und Afterbuy für schlanken Marktplatzverkauf ohne Einführungsprojekt.

2. Warum wechseln Händler von JTL zu einem anderen System?

Der häufigste Grund ist der Betrieb. JTL-Wawi läuft als Windows-Anwendung auf einem eigenen Server mit SQL-Datenbank, einen Client für macOS oder Linux gibt es nicht. Wartung, Updates und Sicherung bleiben damit im Haus und binden IT-Ressourcen oder einen bezahlten Dienstleister. Die kostenlose Einstiegsedition spart Lizenzkosten, nicht Betriebsaufwand. Hinzu kommt bei wachsenden Händlern der Wunsch nach mehr Verkaufskanälen und nach einer Buchhaltung im selben System.

3. Was muss ich beim Wechsel von JTL alles ersetzen?

Mehr als nur die Warenwirtschaft. Ein typischer Aufbau besteht aus JTL-Wawi, JTL-Shop und JTL-WMS, im stationären Handel zusätzlich JTL-POS. PlentyONE und Odoo bringen für alle vier Bausteine eine eigene Entsprechung mit, bei Odoo allerdings zum Preis von eigenem Hosting, sobald Marktplätze dazukommen. Xentral und weclapp decken Warenwirtschaft, Lager und Kasse ab, lassen aber den Shop offen. Afterbuy hat Warenwirtschaft, Lager und einen eigenen Shop, die Kassen-App steht Neukunden jedoch nicht mehr offen.

4. Gibt es eine Cloud-Alternative zu JTL-Wawi?

Ja, vier der fünf hier verglichenen Systeme laufen in der Cloud, sodass kein eigener Server nötig ist: PlentyONE, Xentral, weclapp und Afterbuy. Odoo lässt sich wahlweise in der Cloud oder auf eigener Hardware betreiben, wobei die günstigere Cloud-Variante keine Anbindungen von Drittanbietern zulässt. Der Verzicht auf den eigenen Server ist für viele Umsteiger der eigentliche Grund für den Wechsel, weil damit Wartung, Updates und Sicherung entfallen.

5. PlentyONE oder Xentral: was sind die Unterschiede?

Beide laufen in der Cloud und decken Warenwirtschaft, Lager und Kasse ab. Der wichtigste Unterschied ist der Onlineshop: PlentyONE bringt einen eigenen mit, Xentral nicht, sodass dort ein Shopsystem daneben betrieben werden muss. Bei den selbst angebundenen Verkaufskanälen liegt PlentyONE mit 34 vor Xentral mit 12. Xentral wiederum ist beim Verkauf in mehrere EU-Länder stärker, weil es Steuersätze je Land und Artikel setzt und Lieferschwellen automatisch berücksichtigt.

6. Welche Alternative bringt eine eigene Buchhaltung mit?

weclapp und Odoo. Bei weclapp läuft die doppelte Buchführung vollständig im System und ist in jedem Tarif ab 39 € je Nutzer und Monat enthalten. Odoo bietet denselben Funktionsumfang samt zweier eigener DATEV-Exporte, allerdings nur in der kostenpflichtigen Enterprise-Version. JTL, PlentyONE, Xentral und Afterbuy arbeiten vorbereitend und übergeben die Daten an die Finanzbuchhaltung, bei Afterbuy über ein kostenpflichtiges Produkt eines Drittanbieters.

7. Was kostet der Wechsel von JTL?

Die Lizenzkosten sind nur ein Teil und reichen von 19,90 € je Nutzer bei Odoo bis 99 € im Monat bei Xentral, das zusätzlich eine Einrichtungsgebühr verlangt. Entscheidender ist der Aufwand für Datenübernahme, Neuanbindung der Kanäle und Schulung, der bei den umfangreicheren Systemen mehrere Wochen interner Arbeitszeit binden kann.

Methodik & Quellen

Grundlage sind die öffentlichen Produkt-, Preis- und Dokumentationsseiten der fünf Anbieter sowie von JTL, ergänzt um eine eigene Auszählung der Kanalverzeichnisse im August 2026. Als Verkaufskanal zählt ein Marktplatz oder Shopsystem, das der Anbieter selbst anbindet. Die Rangfolge richtet sich danach, was nach einem Wechsel von JTL offen bleibt und ob das neue System einen eigenen Server voraussetzt. Ein höherer Rang bedeutet nicht, dass ein System für jeden Fall die bessere Wahl ist: Beim Verkauf über Ländergrenzen liegt Xentral vorn, bei der Buchhaltung weclapp und Odoo, beim einfachen Einstieg Afterbuy.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Anzeige